Sebastian Sorger im Interview: "Mein Saisonziel sind die Top 300"
STTV: Hallo Sebastian, wir treffen dich hier beim Hobbyturnier in Wildon. Was hat dich bewogen, hier mitzuspielen?
SEBASTIAN SORGER: Ich habe jetzt fünf Wochen in Folge auf der Tour gespielt und wusste, dass ich in dieser Woche kein Turnier habe und in Graz ein bisschen Kondi mache. Und damit ich auch ein bisschen Tennis spiele, habe ich mich angemeldet. Ich habe hier in Wildon vier Jahre in der Landesliga gespielt. Alle freuen sich, wenn ich komme und ich freue mich, wenn ich die Leute wieder treffe!
Bei deinem Viertelfinale gegen deinen früheren Kapitän Daniel Csuk waren 150 Leute zuschauen, beim Finale sogar 200. Das dürfte mehr sein als bei so manchem ITF-Turnier, bei denen du sonst derzeit spielst, oder?
SORGER: Definitiv, aber in Bozen, wo ich vor zwei Wochen gewonnen habe, da waren auch immer so um die 200 Leute. Ich habe gegen zwei Südtiroler gespielt, da war die Stimmung super.
Lass uns zu deiner bisherigen Saison kommen. Du hattest vor dem Sieg in Bozen vier Mal bis ins Viertelfinale geschafft. Nicht schlecht, aber so richtig weiter bringt dich das im Ranking nicht.
SORGER: Genau. Für das Viertelfinale beim 25er bekommst du drei ATP-Punkte. Beim Halbfinale sind es dann schon acht. Daher war ich auch sehr unzufrieden, bevor ich nach Bozen gefahren bin. In Ollersbach habe ich sehr schlecht gespielt und wollte auf Hartplatz wechseln. Ich hatte also niedrige Erwartungen und es ist dann von Match zu Match immer besser geworden.
Im Finale konntest du den Tiroler Sandro Kopp bezwingen, der mit Rang 280 derzeit sein Career High hat – du warst fast 200 Plätze dahinter. Woher hast du das Selbstvertrauen genommen, ihn jetzt zu schlagen?
SORGER: Ab Platz 1000 in der Welt können alle Tennis spielen. Vieles entscheidet sich im Kopf, ob du dann bei den entscheidenden Punkten auch bereit bist zu riskieren. Wenn du da nur reinspielst, gewinnst du gegen diese Leute nichts. Er hatte im ersten Satz zwei Satzbälle, die konnte ich abwehren und auch im Tiebreak war es eng. Ich arbeite auch mit einem Mentaltrainer, denn gewisse Gedanken kommen einfach in solchen Situationen. Du musst das dann steuern können.
Kurioserweise hast du zwei Tage später bei einem größeren ITF-50er in Plowdiw in der ersten Runde wieder gegen Sandro gespielt und dann klar 6:1, 6:1 gewonnen. Dann bist du gegen den späteren Finalisten Petr Nesterov (BUL) knapp ausgeschieden.
SORGER: Für Sandro war es extrem strapaziös, er hat am Sonntag dazwischen noch deutsche Bundesliga gespielt und ist erst um drei Uhr Früh in Wien gewesen. Wir sind dann zusammen nach Bulgarien geflogen und mussten schon Montagabend spielen. Er hat sich eh beschwert, aber sie haben den Zeitplan nicht mehr verändert. Mein Zweitrundenspiel war eng, man sieht, was möglich gewesen wäre, wenn ich gewonnen hätte.
Wie geht es in den kommenden Wochen weiter und was sind deine Ziele?
SORGER: Ich spiele jetzt zwei Turniere in Slowenien. Wir haben schon vor der Saison die Top 300 als Ziel ausgerufen. Das nächste große Ziel danach sind Ränge um 230 oder 240, denn dann kommst du in die Quali bei den Grand-Slam-Turnieren rein. Das ist noch ein Stück Arbeit, aber ich traue es mir zu.
Viele Hobbyspieler oder Couch-Experten sagen: ,Was will der noch, der ist 20 und steht auf Rang 400, andere in dem Alter sind da schon Top 100 oder sogar Top 20‘. Warum hörst du nicht auf sie und gehst trotzdem konsequent deinen Weg weiter?
SORGER: Es gibt so viele Beispiele dafür, dass nicht jeder Weg gleich schnell nach oben geht. Marco Trungelliti hat im Vorjahr mit 35 Jahren erstmals den Einzug in die Top 100 geschafft und hält sich seither dort. Oder Valentin Vacherot, er war 27 und irgendwo auf Rang 170 und dann gewinnt er ein Masters-1000-Turnier und steht jetzt unter den Top 30. Ich bin rund um Platz 30 in der Welt in meinem Alter und ich weiß, dass ich einige vor mir überholen kann. Dafür werde ich weiterhin konsequent und hart arbeiten.
Erzähl uns noch kurz, mit wem du jetzt arbeitest?
SORGER: Zwei Jahre lang war Ivan Gotic mein Coach, seit September 2025 ist es Hannes König, ein Tiroler. Außerdem habe ich noch einen Fitness- und einen Mentaltrainer.
Viel Glück für die nächsten Turniere und dass du deine Saisonziele so schnell wie möglichst erreichst!
SORGER: Vielen Dank und danke für das Gespräch!